Bericht zur Mecklenburger Seen Runde 2017

Hier ist nun der Bericht zur MSR300- Mecklenburger Seenrunde 2017

Im Dezember 2016 machte ich unter anderem bei einem Gewinnspiel von Ilovecycling.de mit (man kann ja nie wissen vielleicht hat man ja Glück) und so kam es dann, dass ich den Startplatz für die MSR 300 gewinnen konnte. Kurz darauf erhielt ich eine Mail vom Veranstalter, und habe mich angemeldet. Soweit so gut. Aber was ist denn die MSR300 überhaupt? Kurze Recherche im Netz ergab: 300km Radmarathon in Neubrandenburg. Ok dachte ich mir, da sollte man schon etwas trainieren. Da ich im Winter sehr gute Erfahrungen mit dem Spinning gemacht hatte, und ich keine Rolle besitze, meldete ich mich über Sportnavi an, und los ging es in verschiedenen Studios mit dem spinnen. Nach einigen Einheiten ereilte mich eine Erkältung, also Sportpause. Dann eine Grippe, dann eine verschleppte Grippe, dann wieder Erkältung. Und so kam es dann dass ich keinen Sport machen konnte bis in den April hinein. Das Risiko für Folgeerkrankungen größeren Ausmaßes ist einfach zu hoch. Nun denn, Intervalltraining sollte die Entscheidung sein um April/Mai noch etwas Kondition zurück zu bekommen weil sonst wird das nix. Ein Blick in das Höhenprofil der MSR zeigte es ist schon ziemlich flach dort, so schien es zumindest. Um die weite Anreise irgendwie mit der Familie zu verbinden buchten wir an der Ostsee in Prerow eine Ferienwohnung von wo ich dann Freitags nach Neubrandenburg fuhr und dort im Bulli übernachtete.
Morgens am Freitag checkte ich das Rad nochmal in Prerow.

MSR das Event

Freitags gegen 17.30 kam ich an, und machte mich auf den Weg zur Festwiese in Neubrandenburg, eine schöne Parkanlage. Ich hörte hinter mir ein lautes „Vorsicht“ und es kamen einige Kinder mit einem Vorrausfahrer angedüst. Die Mini MSR für die Kinder war hier im Gange und die Strecke führte ums Parkgelände in der Runde.
Witzig die Kids zu sehen wie sie da so durch die Gegend düsten, und ich feuerte an.
Angekommen auf dem Festplatz ging ich direkt zur Anmeldung, erhielt meine Startunterlagen und den Starterbeutel. Einige Stände gab es dort auf dem Gelände mit Radzubehör, Infoständen der Sponsoren und einige Essensstände.

Auch nen Bierstand war dabei und so genehmigte ich mir eins und verfolgte die Mini MSR und die darauf folgende Vorstellung der Sponsoren und Teams auf einer kleinen Bühne an der Start/ Zielgerade.
Sehr interessant und auch unterhaltsam.
Danach begab ich mich zum Auto zurück und bereitete mein Equipment vor. Klamotten parat gelegt, Rucksack gepackt, Startnummern angebracht und danach nochmal nen kleines Ründchen gedreht um zu schauen ob alles rund läuft. Passt!

Start 5.10
Meine Startzeit war bei 5.00 festgelegt und so reihte ich mich nachdem die 4.50 Uhr Starter los gefahren sind in der Startaufstellung ein.

Es war jedoch etwas durcheinander, denn vor mir standen auch schon Starter für 5.10Uhr und so versuchte ich mich hier nach vorn zu arbeiten um noch los zu kommen, wurde jedoch nicht mehr gestartet, da es zu „spät“ war und stand nun in der ersten Reihe für Start 5.10Uhr. Alles kein Problem, wird eben später erst die Startzeit genommen und auf die 10 Minuten kommt es mir eh nicht an. So verfolgte ich 10 Minuten die Moderation am Start, es ist immer wieder beeindruckend was man sich da so zur Moderation einfallen lässt, lustig und auch informativ. Ein Satz verfolgte mich später noch die gesamte Veranstaltung über. „Jeder hat irgendwann einen Durchhänger bei dieser Distanz“- Aussage eines Redakteurs der Roadbike-Zeitung der auch am Start stand.

Der Start
Mit dem Song „no Limits“ von 2Unlimited aus den Lautsprechern wurden wir in den Countdown geschickt und dann gings los. Mit Polizeiescourte wurden wir über die Hauptstraßen in Neubrandenburg geschickt, bis zum ersten Anstieg raus aus der Stadt. Und hier wurde klar: sooooo flach ist das hier gar nicht.
Ich suchte Schutz in der Gruppe und reihte mich ein, und meine Idee war es mich einige Zeit in der Gruppe mittragen zu lassen um hier Energie zu sparen.
Nur machte ich hier die Rechnung ohne die Pace und im eher welligen Profil hier mit nem Schnitt von 35-40Km/h zu fahren entsprach in keinster Weise meinem Leistungsstand. Ich versuchte dran zu bleiben, der Gruppenzwang….. bei Checkpoint/Depot 1 entschied ich mich dann das in dieser Art nicht mehr zu machen denn das kostet auch sehr viel Kraft, und die Strecke war noch lang. Ein Blick hinter das Zelt des Versorgungspunktes zeigte mir, warum ich eigentlich hier war.

In der Gruppe konnte man kaum einen Blick nach Links oder Rechts wagen, schade drum die Landschaft nicht zu sehen. Also allein weiter im RTF Modus.
Nach einiger Zeit erreichte ich eine Gruppe und dachte naja ganz hinten kannste ja bisschen mitrollen, und nach einigen Kilometern entschied ich mich vorzufahren, mich zum Dank etwas in den Wind zu hängen, und so etwas Kraft zurück zu geben. Hochmotiviert nach dem Wechsel zog ich an, und stellte fest das ich zu schnell war, nam dann wieder raus und zu zweit stellten wir uns in den Wind. Leider machte ich die Rechnung hier ohne den aufkommenden Gegenwind und so konnte ich die Pace nicht lange duchhalten und wechselte. Leider verlief der Wechsel nicht ganz so ideal nach der Vorstellung der Gruppenführer und so hörte ich, ich solle die Gruppe besser verlassen. „Ok dann mache ich das“ sagte ich und ließ mich zurückfallen. Regenerierte etwas und entschied mich das Gruppenfahren sein zu lassen und den „Einzelkampf“ zuführen. Ich ließ mich hier auch nicht mehr beirren von Überholenden. Kraft einteilen war die Devise und ohne Blessuren durchkommen.

Die Depots:

fast alle 25 km war ein Depot verfügbar. Reichlich zu Essen, viel Verschiedenes, auch Kaffee, Kuchen, Spreewälder Gurken und soooo vieles mehr verleiteten zu rasten.


Joey Kelly der Freitags im Interview auf der Tribüne sagte “ jeder weiß am besten wie sein Körper funktioniert“ kam mir wieder ins Gedächtnis…. Powerriegel/Nüsse und ähnliches funktionieren bei mir am Besten das weiß ich mittlerweile und auch sollte ich nicht so viel auf einmal Essen sondern stetig. So entschied ich mich für kurze Stops, Flaschen immer voll füllen, Cola trinken und mit Riegeln,Bananen gings weiter. Die Nudeln und Gürkchen(wegen der Salze/braucht man eben auch) hab ich dann im längeren Stop mitgenommen und dann etwas länger langsam rollen lassen.
Der „Mann mit dem Hammer“ den ich wirklich sehr fürchte blieb fern. Immer wieder Energie rein, und weiter.

Dann, kam es. Bei Kilometer 180….“Jeder hat irgendwann einen Durchhänger bei dieser Distanz“….das Loch.
Ich fragte mich warum geht es nicht weiter, es rollt überhaupt nicht mehr, der Tacho zeigt kaum mehr Kilometerfortschritte.
Woran lag das? Am Kopfkino! Steve schrieb mir vor der Veranstaltung noch „Kopfkino ausschalten und weiter“.
Erst war der Asphalt so rauh, dass ich vermutete kaum vorwärts zu kommen, dann etliche Steigungen um die 6% auf mehreren Kilometern, dann voll brutalstes Kopfsteinpflaster, dann freie Felder mit Gegenwind. Ich dachte ich schlage hier Wurzeln……“Kopfkino ausschalten“!!!!! Leicht gesagt aber nötig.
Mir kam noch ein weiterer Satz in den Sinn, der zur Wende meines Tiefpunktes führte.
„Papa das geht schon“ ist der Satz von meinen Sohn Julian, der schon oft gezeigt hat, dass kindliche Naivität doch helfen kann etwas zu erreichen. Nun sagte der Teufel Links auf der Schulter „boah neeeee das geht nicht“ aber Engel Rechts dann“ Piet das geht schon“ und so endete das Kopfkino bei Kilometer 200 bei dem Schild „noch 100km bis zu Ziel“
Es rollte auch etwas besser es wurde wellig wobei man auch mal Schwung mitnehmen konnte und ich hatte nun auch das Vertrauen ohne Krämpfe an den Anstiegen mal das dicke Blatt zu lassen hoch zu ziehen.
Jede 10 Km kam ein Schild…noch 40km,30km,20km,10km……
Ich erwartete jedes einzelne sehnlichst. Es half über die Distanz…..
bei ca. 10km vor Ziel kam das Örtchen Chemnitz. Bis dahin wusste ich nicht, dass es den Namen mehrfach gibt. In Chemnitz standen in den Gärten und am Straßenrand viele jubelnde Menschen. Laola Welle, Musik aus den Lautsprechern, jubelnde Kinder ein toller Motivationsschub, und ich wusste es ist nicht mehr weit. Freude kam auf, Endorphine frei! Dann ging es wieder aufwärts wieder 6% und einer der Überholenden fragte einen anderen, ob dies nun der „Endgeger“ wäre oder ob da nochwas kommt. Er sagte “ es kommt noch was“ die Bundesstraße……
Auch hier wieder stetig aufwärts mit 1-3% dann plötzlich ist man wieder im Park. Ey geil ich hörte Musik, das Ziel ist nah….und dann? Eine Brücke, aber nicht irgendeine, so steil ich dachte da muss ich hoch schieben…..Schwung holen, ziehen und drücken und auch das ist geschafft. Der Zielbogen war in Sicht, und zack im Ziel….Mit der Finishermedallie um den Hals fuhr ich dann zurück zum Auto und machte mich mit dem Auto sofort auf den Weg zurück an die Ostsee zum Ferienhaus in Prerow. Meine Familie und ein schönes kaltes Bierchen erwarteten mich.

Fazit zur Veranstaltung:

Die MSR Organisation ist durchdacht und sehr gut organisiert. Die Startaufstellung war bisschen verwirrend, eventuell hab ich irgendwas an Info dazu nicht gelesen, aber das ist ja auch nicht so tragisch, muss man eben wissen und sonst halt 10 Minuten später starten.
Was ich bisschen schade fand ist, dass die Strecke etwas wenig an den Ufern der Seen entlang ging, aber die Streckenführung und die damit verbundenen Genehmigungen sind sicherlich nicht einfach. Raps und Getreidefelder sind ja auch schön.
Ansonsten tolle Atmosphäre, nette Leute und fantastisches Wetter haben einen bleibenden, schönen Eindruck hinterlassen.


Am Ende standen 307km mit 1925Höhenmeter und fast 12 Stunden im Sattel in der Strava Aufzeichnung, ein rundum gelungenes und unvergessliches Radsportwochenende.
Man sollte sich immer wieder vor Augen führen, was man bereits alles schon geschafft hat im Leben um andere Herausforderungen zu meistern.

Vielen Dank an ILovecycling.de für die Möglichkeit sich auf dieser Distanz auszuprobieren und nun kann ich nicht mehr sagen „Ich hab noch nie was gewonnen“ 😃

Charity:

Ich möchte diese Fahrt den Kindern des Haus Noah in den von Bodelschwingschen Anstalten in Bielefeld Bethel widmen und werde hierfür die gefahrenen Kilometer der MSR in eine Spende mit 10 Cent pro Kilometer umwandeln. Somit sind 30,70Euro im Spendenpott. Wenn sich noch jemand mit einer Spende beteiligen möchte, schreibt mich bitte an.

Viele Grüße, Peter